Zeitreise durch die Eifel
Eifel Zeitreise: Zurück in die Zukunft

ab 58 v.Chr.: Ave, Caesar!

Caesar

Mit seinen Legionen erobert Caesar ganz Gallien - nun ja, mit Ausnahme eines kleinen Dorfes - und Teile Germaniens, u.a. die Eifel.
Auch hier siedeln überwiegend Kelten (= Gallier): die Treverer („Trier“) im Süden, weiter nördlich die Stämme der Caeroser, Sunuker, Talliates und Eburonen.
Letztere machen den Römern allerdings erheblichen Ärger. Im Jahr 54 v. Chr. lockt ihr Anführer Ambiorix eine römische Legion und fünf weitere Kohorten in einen Hinterhalt und vernichtet den Verband nahezu vollständig.
Rund 2.000 Jahre nach Ambiorix betritt ein weiterer kleiner Gallier die literarische Bühne und vermöbelt die Römer mit bemerkenswerter Regelmäßigkeit.

Nach dieser Niederlage legen die Römer in der Nordeifel ein umfassendes Investitionsprogramm auf, finanziert aus Mitteln der imperialen Strukturförderung für den ländlichen Raum:
Sie schürfen in Mechernich und Kall - wie bereits die Kelten - nach Erzen, errichten am Fuß des Wackerbergs einen Steinbruch, wenige Kilometer weiter ein Aquädukt zur Wasserversorgung Kölns und den Fernwanderweg Köln-Trier (Agrippa-Straße).

Thermen in der näheren Umgebung dienen Legionären und Siedlern als Stätten der Entschleunigung, so in Tolbiacum (Zülpich), Aquae Granni (Aachen) und Augusta Treverorum (Trier).
Der geistigen Erbauung wiederum sind diverse Heiligtümer gewidmet, z.B. in Bad Münstereifel-Nöthen und in Nettersheim.

Eine Vielzahl luxuriöser Landgüter (villa rustica) rundet das freundliche Bild der römischen Nordeifel ab. Jedoch gibt es kein entsprechendes Anwesen auf dem Wackerberg, das sollte noch ein paar Jahre dauern …

612: Der Tod des Königs

Familienfeiern bei den Merowingern, dem ältesten Königsgeschlecht der Franken, können unangenehm enden – besonders dann, wenn mehrere Familienmitglieder gleichzeitig Anspruch auf den Thron erheben.
Zu Beginn des 7. Jahrhunderts kämpfen die Brüder Theudebert II. und Theuderich II. um die Vorherrschaft im Frankenreich, ein Familienstreit, der auch das Rheinland und die Eifel erfasst.

Theudebert

Die Entscheidungsschlacht liefern sich die Brüder 612 in Enzen bei Zülpch, 17 km nordöstlich des Wackerbergs. Theudebert unterliegt seinem Bruder, wird gefangen genommen und später getötet, Theuderich zieht im Triumph in Köln ein.

800: Karl der Große

Kaiser Karl

Die Kaiserkrönung findet in Aachen statt, aber die Familie hat Migrationshintergrund:
Karls Urgroßmutter Bertrada die Ältere gründet 721 gemeinsam mit ihrem Sohn das Kloster Prüm in der Westeifel und stattet es mit umfangreichem Grundbesitz aus. Die Karolinger machen Prüm später zu einem ihrer bedeutendsten Reichsklöster.

Neben diversen Feldzügen zwecks Erweiterung des Frankenreichs frönt Karl - wie sein Biograf Einhard zu berichten weiß - besonders gern der Jagd. Und da liegt die Eifel praktisch vor der Haustür.
Dass der Kaiser auf seinen Jagdzügen persönlich am Wackerberg vorbeikommt, ist nicht belegt, würde aber zu ihm passen.

1349-1350: Der schwarze Tod

Europa wird von der Pest heimgesucht – und die Eifel bleibt nicht verschont. Um 1350 stirbt vermutlich etwa ein Drittel ihrer Bevölkerung. Ganze Familien verschwinden, Höfe werden aufgegeben, Dörfer schrumpfen.

Pest

Und damit ist die Sache leider nicht ausgestanden: Die Pest kehrt in den folgenden Jahrhunderten immer wieder zurück.
Noch 1669, mehr als 300 Jahre später, ist sie ganz in der Nähe des Wackerbergs gegenwärtig. In Olef werden die Pesttoten aus Herhahn und Morsbach nicht mehr durch das Dorf zum Friedhof gebracht. Man trägt sie durch eine besondere Öffnung in der Friedhofsmauer – das „Pesttörchen“, das bis heute an die Seuche erinnert.

1600: Die Kumpel vom Wackerberg

Die Zahl der Nebenerwerbs-Landwirte nimmt auch in der Eifel kontinuierlich ab - von »Nebenerwerbs-Bergleuten« hat schon lange niemand mehr etwas gehört. Das sah im Mittelalter und in der frühen Neuzeit ganz anders aus, als der Betrieb eigener Grabungsstollen für ganze Familienclans üblich war, sozusagen als Minijob mit Pauschalversteuerung (»der Zehnte«).

Kumpel

Auf dem Gebiet der Gemeinde Kall wurden rund 2.000 »Pingen« entdeckt, viele davon auf und rund um den Wackerberg. Besichtigen kann man das »Bergschadensgebiet« auf einem vom Eifelverein und lokalen Touristikern vor einigen Jahren angelegten »Pingen-Wanderweg« über den Wackerberg.
Es handelt sich dabei um Schürfgruben und Mini-Stollen, aus denen Eisenerz und Blei in einer Tiefe von rund 4 Metern unter der Erdoberfläche gefördert wurde. Archäologen konnten nachweisen, dass bereits die Kelten im 3. vorchristlichen Jahrhundert auf dem Gemeindegebiet Erzabbau betrieben haben. Nach Cäsars Eroberungszügen stiegen die Römer dann im Rahmen einer »feindlichen Übernahme« in das Geschäft ein, natürlich mit verbesserter Technik. Die gesamte Eifel ist im übrigen reich an Bodenschätzen: Um das Jahr 1600, so schätzen Historiker, stammen etwa 10% des in Europa geförderten Eisens aus dieser Region.
In Kall konnte jeder Einwohner gegen Abgabe des Zehnten nach Eisenerzen graben. Unbestätigten Berichten zufolge wurden die Vorschriften zur Arbeitssicherheit eher lasch gehandhabt, Unfälle waren an der Tagesordnung.

1618-1648: Kriege, Hexen, Katastrophen

Hexe

Als 1618 der Dreißigjährige Krieg beginnt, liegt die Eifel zwar weit entfernt von vielen berühmten Schlachtfeldern. Das hilft den Bewohnern allerdings wenig.
Kaiserliche, spanische, schwedische, hessische und französische Truppen ziehen durch die Region und versorgen sich dort, wo gerade etwas zu holen ist. Bauern verlieren Vieh und Vorräte, Dörfer werden geplündert, Soldaten einquartiert und zusätzlich sogenannte Kontributionen verlangt – Schutzgeld mit amtlicher Quittung.
Auch das nahe Kloster Steinfeld wird mehrfach heimgesucht, Schloss Schleiden und die umliegenden Orte leiden ebenfalls schwer. Die Region wird nicht in einer einzigen großen Schlacht zerstört, sondern über Jahrzehnte ausgeblutet.

Als wären Krieg, Hunger und Seuchen nicht genug, erreicht in dieser Epoche auch die Hexenverfolgung in der Eifel ihren Höhepunkt. In Schmidtheim werden zwischen 1597 und 1635 rund 60 Menschen als vermeintliche Hexen hingerichtet – fast die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung. Auch in Blankenheim enden allein 1614 vierzehn Hexenprozesse auf dem Scheiterhaufen: zwölf Frauen und zwei Männer; weitere Verfolgungswellen folgen von 1627 bis 1633.

1689: Ludwig, der Eifelschreck

Ludwig

Als "Sonnenkönig" lernen die Eifler Ludwig XIV. nicht kennen, seine Truppen hinterlassen verbrannte Erde.
Die französische Strategie ist ebenso einfach wie wirkungsvoll: Was dem Gegner als Festung, Unterkunft oder Vorratslager dienen könnte, wird unbrauchbar gemacht.
1689 trifft es unter anderem Münstereifel, Zülpich, Nürburg und zahlreiche weitere Burgen und Befestigungen der Region. Auch Euskirchen, Ahrweiler und andere Orte bekommen Besuch – einschließlich Plünderung, Brandschatzung und Rechnung für die Verpflegung der Besucher.

Von 1688 bis 1697 führte Ludwig XIV. den Pfälzischen Erbfolgekrieg – einen von mehreren Kriegen, mit denen der Sonnenkönig Frankreichs Macht bis an den Rhein ausdehnen wollte. Offiziell stritt man um pfälzische Erbansprüche, tatsächlich ging es um Territorien, sichere Grenzen und die französische Vormachtstellung in Europa.

1794: Die Eifel wird französisch

Ein Jahrhundert später, und wieder sind es die westlichen Nachbarn:
Die Französische Revolution bleibt nicht lange auf Frankreich beschränkt. Im Herbst 1794 besetzen französische Revolutionsarmeen Rheinland und Eifel – die rund zwanzigjährige »Franzosenzeit« beginnt.

Napoleon

»Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit« klingt zunächst durchaus attraktiv.
Weniger begeistert sind die Eifler, als die neuen Herren Steuern verlangen, junge Männer zum Militär einziehen und kirchlichen Besitz beschlagnahmen. 1798 wird das linksrheinische Gebiet in französische Départements gegliedert, 1802 schließlich vollständig Frankreich einverleibt.
Gleichzeitig bricht die alte staatliche Ordnung zusammen, während die neue Verwaltung noch nicht richtig funktioniert. Das Ergebnis ist ein Machtvakuum – und eine bemerkenswerte Karrierechance für Menschen mit eher flexibler Einstellung zum Eigentumsrecht.
Räuberbanden ziehen durch das Rheinland und die Eifel.

1800: Das Gasthaus und die 40 Räuber

Düttling, Luftlinie keine sechs Kilometer vom Wackerberg entfernt, am 20. Mai 1800:
Gegen Mitternacht wird Gastwirt Johann Nießen von Lärm geweckt. Vor seinem Haus stehen keine verspäteten Gäste, sondern rund 40 bewaffnete Räuber, die gerade versuchen, mit einem Baumstamm Hofmauer und Haustür einzurammen.

Gasthaus-Überfall

Die Bande hat offenbar einen Tipp bekommen: Im Gasthaus übernachtet der Notar Bücker, der am Vortag Steuern und Abgaben eingesammelt hat.
Die Räuber dringen ein, plündern Gasthaus, Zollstelle und Bauernhof und misshandeln die Bewohner. Als Andreas Nießen einen Täter erkennt, eskaliert die Situation:
Er und seine fünfjährige Nichte Christina werden getötet, die übrigen Bewohner zusammengetrieben und das Gebäude angezündet.

Der Überfall wird der berüchtigten Neuwieder Bande zugerechnet. Eigentlich handelt es sich weniger um eine feste Gang als um ein kriminelles Netzwerk: Für einzelne Überfälle werden kurzfristig Komplizen angeworben, anschließend wird die Beute geteilt und jeder verschwindet wieder auf eigene Rechnung.

1815: "Preußisch Sibirien"

Preussisch-Sibirien

Nach Ende seiner Abschiedstournee in Waterloo kann Napoleon den verdienten Langzeiturlaub antreten, all inclusive auf der Ferieninsel St. Helena im Südatlantik. Die Briten stellen das Service-Personal.

Der Wiener Kongress entscheidet im selben Jahr: Eifel und Rheinland kommen zu Preußen.
Das ärmliche Randgebiet des Reiches war nur aus militärischen Gründen von Interesse. Seine Bewohner gelten den Preußen als "störrisches Bergvolk", deren Sprache preußische Beamte und Offiziere nicht verstehen. Das "Eifler Platt" halten einige von ihnen zunächst für einen merkwürdigen französischen Dialekt.
Einen Verwaltungsjob in der Region anzunehmen, kommt für die meisten einer Strafversetzung gleich. Auch in Hinblick auf das rauhe Klima bürgert sich die Bezeichnung "Preußisch Sibirien" für die Eifel ein.

"Blühende Landschaften" rund um den Wackerberg treffen die Preußen nicht an. Ihre Wälder hatten die Eifler im 17. und 18. Jahrhundert abgeholzt, um Brennstoff für die Metallverhüttung zu gewinnen. Den kargen Ackerböden können die Bauern nur wenig abgewinnen, die Ernährungslage ist katastrophal.
So kommt es auch im 19. Jahrhundert wiederholt zu schweren Hungersnöten, besonders in den Jahren 1816/17, 1847 und 1879/80.

1884: Bahnfahren am Wackerberg

1875 wird die Eisenbahnstrecke von Köln nach Trier durch die Eifel in Betrieb genommen, knapp 10 Jahre später, am 8. März 1884, die "Wackerberg-Tangente" von Kall über Gemünd und Schleiden nach Hellenthal.
Die 17,6 Kilometer lange Strecke führt durch den Gemünder Tunnel und mitten durch Olef – bis heute eine der ungewöhnlichsten Eisenbahn-Ortsdurchfahrten Deutschlands.

Oleftalbahn

Ursprünglich soll die Bahn vor allem Erz, Kohle, Holz und Industrieprodukte transportieren. Schon in den 1840er Jahren drängen Industrielle aus dem Schleidener Tal auf den Bau der Eifelbahn, um die Bergwerks- und Hüttenindustrie konkurrenzfähig zu halten.
Doch nun ist es zu spät: Zahlreiche Betriebe verlagern ihren Firmensitz in das aufstrebende Ruhrgebiet. Ausschlaggebend sind nicht nur die dort verfügbaren Kohlevorkommen, sondern vor allem die deutlich bessere Verkehrsinfrastruktur.
Zu den Unternehmerfamilien, die diesen Weg einschlagen, gehört auch die Familie des späteren Erbauers des Hauses Wackerberg, Alfred Inden.
Aus bescheidenen Anfängen als Dorfschmiede in Olef kommend, haben sie es zu Wohlstand gebracht und zunächst mehrere Produktionsbetriebe in der Region gegründet.

Die Flutkatastrophe vom Juli 2021 trifft auch die Oleftalbahn zwischen Kall und Hellenthal schwer. Nach Schätzungen werden rund 90 Prozent der Strecke beschädigt oder zerstört.
Eine Machbarkeitsstudie beziffert die Investitionen für eine Reaktivierung der Strecke auf rund 75,5 Millionen Euro. Ob sich eine solche Summe rechtfertigen lässt, wird politisch kontrovers diskutiert.

1905: Die Urfttalsperre wird in Betrieb genommen

Ab 1900 entsteht bei Gemünd nach den Plänen des Aachener Professors Otto Intze ein Bauwerk der Superlative: eine 58 Meter hohe Staumauer und dahinter ein zwölf Kilometer langer See mit rund 45 Millionen Kubikmetern Wasser. Bei seiner Fertigstellung 1905 ist es das größte Talsperrenprojekt Europas.
Als sich 1905 das Urfttal mit Wasser füllt, wird die Eifel für die Städter am Rhein zum Naherholungsgebiet:
Berge, Wälder und mittendrin ein riesiger See. Die Bahn macht die Gegend für Besucher bequem erreichbar, Wanderwege und Aussichtspunkte folgen. Aus einer armen, lange als abgelegen geltenden Mittelgebirgsregion wird zunehmend ein Ausflugs- und Ferienziel – die „Eifeler Schweiz“ bekommt Wasseranschluss.

Urfttalsperre

Und es bleibt nicht bei einem See. Von 1934 bis 1938 entsteht die Rurtalsperre Schwammenauel. Nach dem Krieg wird sie von 1955 bis 1959 noch einmal gewaltig vergrößert. Mit mehr als 200 Millionen Kubikmetern Stauraum entsteht der heutige Rursee – inzwischen der zweitgrößte Stausee Deutschlands nach Speichervolumen. Hochwasserschutz und Wasserversorgung sind der eigentliche Zweck; für den Tourismus gibt es einen äußerst willkommenen Nebeneffekt: eine riesige Wasserlandschaft zum Wandern, Segeln, Baden und für Ausflugsschiffe.
Fast gleichzeitig bekommt auch die Olef ihre Talsperre. Zwischen 1955 und 1959 wird oberhalb von Hellenthal eine damals technisch bemerkenswerte Pfeilerzellenmauer errichtet. Die Oleftalsperre dient vor allem dem Hochwasserschutz sowie der Trink- und Brauchwasserversorgung. Wassersport bleibt hier wegen des Trinkwasserschutzes tabu – anschauen und umrunden darf man den See natürlich trotzdem.

1923: Die Olef-Connection

Vom Dorfschmied zum Stahlbaron – die Geschichte der Familie Inden liest sich wie ein Wirtschaftsmärchen.
Aus dem beschaulichen Olef am Fuß des Wackerbergs zieht es die Unternehmerfamilie im 19. Jahrhundert wie viele andere aus der Region dorthin, wo das große Geld lockt, nämlich ins aufstrebende Ruhrgebiet.

Haus Wackerberg 1923

Der Firmensitz wandert nach Düsseldorf-Lierenfeld, doch die Eifel bleibt stets im Herzen und als Rückzugsort erhalten – mit einem Ferienhaus in Gemünd und einem 4 Hektar großen Waldstück auf dem Wackerberg, das für eine ganz besondere Verwendung vorgesehen ist.
Der eigenen katholischen Gemeinde Olef waren zuvor umfangreiche Grundstücke auf dem Wackerberg übertragen worden, der heutige Olefer Kirchenwald. Wer es als christliche Unternehmerfamilie zu Wohlstand gebracht hatte, zeigte seiner Heimat damals gerne auf diese Weise seine Verbundenheit.
Familienpatriarch Alfred Inden, Direktor der Vereinigten Stahlwerke, betraute Anfang der zwanziger Jahre den bekannten Düsseldorfer Architekten Gotthold Nestler (1887–1957) mit der Planung eines repräsentativen Jagd- und Forsthauses, dem Waldquartier Wackerberg.
So konnte er seine Geschäftsfreunde weiterhin in die Eifel einladen und zwischen Jagdgesellschaft, Waldidylle und anregenden Gesprächen jene Kunst pflegen, die man heute wohl als Work-Life-Balance bezeichnen würde.

1926: Die Eifelmaler

Während Alfred Inden wie sein Bruder Paul zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Firma weiterführten und letztlich durch Fusion in die Vereinigten Stahlwerke einbrachten, entwickelten ihre Cousins Ernst und Rudi Inden andere Talente:
Sie besuchten die Kunstakademie Düsseldorf, studierten Malerei in der Meisterklasse und zogen Anfang der zwanziger Jahre zurück nach Gemünd, wo sich sich ihren Unterhalt als "Eifelmaler" verdienten. Dankbare Abnehmer waren neben öffentlichen Einrichtungen insbesondere die "Sommerfrischler", die schon in dieser Zeit die Eifel heimsuchten und gerne ein künstlicheres Andenken von der Reise mitbrachten.

Ölbild

Die Diversifikation in unterschiedliche Geschäftsmodelle bei der Familie Inden - Metallverarbeitung hier, Eifelmalerei dort - sollte sich Ende der zwanziger Jahre als Glücksfall erweisen:
Nach herben Vermögensverlusten aufgrund des Börsencrashs ("schwarzer Freitag") verkauft Inden das Anwesen an einen befreundeten Düsseldorfer Unternehmer. Die bis dato eher belächelten Künstler der Familie stellen nun die Haupteinnahmequelle dar.

1927: Das große Rennen

Als in den 1920er Jahren der Nürburgring entstand, verfolgte die Wirtschaftsförderer damit noble Ziele:
Arbeitsplätze schaffen, die strukturschwache Eifel fördern und eine der modernsten Rennstrecken Europas errichten. Dass sich die Region dadurch eines Tages zu einem Magneten für Menschen entwickeln würde, die jede kurvige Landstraße für die Nordschleife halten, hatte damals wohl niemand auf dem Schirm.

Nürburgring

Seit seiner Eröffnung 1927 entwickelte sich der Nürburgring zu einem der bekanntesten Aushängeschilder der Eifel.
Die Formel 1 machte hier nicht weniger als 41-mal Station, und seit 1985 pilgern alljährlich Zehntausende Musikfans zu Rock am Ring.

1935: "Arbeitsmaiden"

Das Jagdhaus ist 1933 abgebrannt, der Kreis Schleiden kauft das Grundstück zwei Jahre später und baut das Haus wieder auf - möglicherweise im Hinblick auf die weitere Nutzung für NS Organisationen. ln der Folge werden im Haus Wackerberg Mädchen untergebracht, die nach dem Schulabschluss ein Landjahr ableisten müssen ("Arbeitsmaiden").

Arbeitsmaiden

Fast zeitgleich errichten die Nationalsozialisten oberhalb der Urfttalsperre, nur wenige Kilometer Luftlinie vom Wackerberg entfernt, die NS-Ordensburg Vogelsang. Die Anlage diente der NSDAP zwischen 1936 und 1939 als Schulungsstätte für den Nachwuchs ihres Führungskaders. Insgesamt war der Komplex bei einer Fläche von rund 100 Hektar für 1.000 Menschen ausgelegt (500 Bedienstete und 500 Gäste) inkl. Gemeinschaftshäusern, Sportanlagen und Schwimmhalle.

August 1943: Der Absturz

Nicht weit vom Haus entfernt stürzt eine B17, ein amerikanischer Bomber, auch "fliegende Festung" genannt, auf dem Wackerberg ab. Die Maschine befindet sich auf dem Rückflug von einem Angriff auf Regensburg.
Die 10 Mann Besatzung, darunter der Soldat Clifford Havercamp, können in einer Höhe von 4.000 bis 5.000 Meter abspringen.

B17

Es existieren heute noch Fotos, die Trümmerteile zeigen. Innerhalb eines Radius von einigen hundert Metern ist jedoch nicht geklärt, wo die Überreste der Maschine zu finden sind.

März 1945: Eine Ruine mit Potential

Nach der Einnahme Schleidens durch US-Truppen verläuft die Frontlinie quer über den Wackerberg. Bei den heftigen Kämpfen wird das Haus schwer beschädigt, es ist im Grunde nicht mehr bewohnbar.
Als sich die Front Ende 1944 nähert, waren die "Arbeitsmaiden" bereits evakuiert worden, genau wie die meisten Einwohner der Eifler Höhendörfer.

Schlacht um Schleiden

1946: Der "Bitzenkönig"

Ziege Der Kreis Schleiden bringt - zunächst provisorisch - einen Vertriebenen in der Ruine Wackerberg unter:
Wilhelm von Ameln gilt in Zeiten der Nahrungsmittel-Knappheit als "system-relevant", denn er züchtet Ziegen und Hühner, verkauft Eier, Ziegen-Milch und -Käse. Als er auch noch eine "Bockstation" errichtet, die bei den Ziegen umliegender Landwirte für Nachwuchs sorgt, hat er seinen Spitznamen weg - die Eifler nennen ihn fortan den "Bitzen (=Ziegen) -König".

Von Ameln hatte seit 1937 in einer Jagdhütte am Urftsee unterhalb von Wollseifen gelebt und dort bereits eine Kleintierzucht betrieben. Im Sommer 1946 vertreiben die britische Streitkräfte die circa 500 Einwohner von Wollseifen, darunter auch Wilhelm von Ameln. Sie errichten auf dem umliegenden Gelände den Truppenübungsplatz Vogelsang, der vier Jahre später an die belgischen Streitkräfte übergeben wird.

Im heißen und trockenen Sommer 1947 (ja, auch das gab es damals schon) brennen in der Nordeifel und im angrenzenden Venn auf der belgischen Seite die Wälder. Die freiwilligen Feuerwehren aus Kall, Schleiden und Gemünd schaffen es, Haus Wackerberg vor den Flammen zu retten - Wilhelm von Ameln und seinen Ziegen bleibt ein erneuter Umzug erspart.

1950: Ein gutes Geschäft

Wilhelm von Ameln wird für die nächsten Jahrzehnte Eigentümer von Haus Wackerberg, er erwirbt Haus und Grundstück 1950 von der Kommunalverwaltung Schleiden zum Freundschaftspreis (nach heutigen Maßstäben) von 10.000 DM, rückzahlbar in Jahresraten von 1.000 DM ohne Verzinsung. Es sind umfangreiche Sanierungsarbeiten notwendig, auf eigene Kosten lässt er das Haus ans Strom- und Telefonnetz anschließen.

100 DM

Ein besonders glücklicher Mensch scheint von Ameln nicht gewesen zu sein, eher verbittert: Das Leben als Landwirt in der Eifel ist mühsam, die EU noch nicht erfunden, es fließen also noch keine Agrarsubventionen aus Brüssel.
Vor allem hadert von Ameln mit Vertreibung und der entschädigungslosen Enteignung seiner früheren Behausung. Er entwickelt sich zum politischen Aktivisten und polemisiert regelmäßig in der Lokalpresse gegen den Treppenübungsplatz und später gegen die deutsche Wiederbewaffnung und den Aufbau der NATO.

1953: Parteizentrale Wackerberg

Propaganda-Plakat Seinen Zeitgenossen gilt von Ameln als Sonderling und als Kommunist. Er tritt auf "Friedenskongressen" in diversen Ostblock-Ländern auf und wird dort als "guter Deutscher" herumgereicht, der sich entschieden gegen Imperialismus und Kapitalismus wendet.
Er spricht im tschechischen und ostdeutschen Rundfunk und organisiert Reisen von Delegationen in die damalige Sowjetzone. 1953 war er nach einem Aufenthalt in Prag sogar Gast der Volksrepublik China.
Im selben Jahr gründet er die Partei "Bund der Deutschen" und kandidiert für den Bundestag, später für den Landtag in NRW.
Der politische Erfolg bleibt aus - ein Mandat kann die neue Partei nicht erringen.

1961: Die Eifel wird zum Ausflugsziel

Rund um den Wackerberg entsteht innerhalb weniger Jahrzehnte eine erstaunliche Dichte touristischer Attraktionen.
Den Anfang macht 1961 das Freilichtmuseum Kommern. Historische Bauernhäuser, Werkstätten, Mühlen und ganze Hofanlagen werden aus dem Rheinland hierher versetzt und wieder aufgebaut.
Heute führen 77 historische Gebäude durch rund 500 Jahre Alltagsgeschichte – das Museum gehört zu den größten Freilichtmuseen Europas.

Freilichtmuseum

Schon 1967 folgen gleich zwei Tierparks. Im April eröffnet bei Kommern der heutige Hochwildpark Rheinland: Rot-, Dam- und Schwarzwild lassen sich dort in großen Gehegen aus nächster Nähe beobachten.
Im September startet das Wildfreigehege Hellenthal – von Anfang an zusammen mit einer Greifvogelstation. Adler, Falken und andere Greifvögel werden bald zum Markenzeichen.
Sogar bis ins Weiße Haus reichte der Ruf Hellenthaler Zuchterfolge: 1982 wurden zwei hier gezüchtete Weißkopfseeadler an US-Präsident Ronald Reagan übergeben.

Der größte Schritt folgt 2004: Mit dem Nationalpark Eifel erhält Nordrhein-Westfalen seinen ersten Nationalpark. Nun wird nicht mehr historische Kulturlandschaft rekonstruiert oder Wild in Gehegen gezeigt – auf großen Flächen soll sich die Natur möglichst wieder selbst entwickeln.

So liegen rund um den Wackerberg heute vier ganz unterschiedliche Arten, die Eifel zu erleben: Geschichte in Kommern, Wildtiere in zwei Tierparks – und Wildnis im Nationalpark.

1985: Neuer Glanz

Nach dem Tod von Amelns Mitte der siebziger Jahre können seine Witwe und die beiden Söhne den landwirtschaftlichen Betrieb nicht mehr fortführen. Sie ziehen in ein Kaller Neubaugebiet und teilen Haus Wackerberg in mehrere Ferien-Apartments auf.

Umbau

Schon zu diesem Zeitpunkt ist das Haus nicht mehr in bestem Zustand, jetzt werden fast ein Jahrzehnt lang keine Instandsetzungs- oder Modernisierungs-Maßnahmen mehr vorgenommen. Schließlich wird Haus Wackerberg 1985 an zwei Familien verkauft, die das Gebäude rundum sanieren:
Türen und Fenster werden ausgetauscht, die Strom-, Heizungs- und Sanitär-Installation komplett neu aufgebaut, alle Fußböden neu eingezogen, der Dachstuhl und die Außenfassade gedämmt und vieles mehr. Die historische Anmutung bleibt erhalten, aber das "Innenleben" ist jetzt auf einem modernen Stand.

1990: "Wiebke"

Wiebke Beim Orkan "Wiebke", der in der Nacht auf den 1. März 1990 mit einer Geschwindigkeit von über 200 km/h West- und Mitteleuropa überquert, bleibt das Haus selbst unbeschädigt, während auf dem Wackerberg große Waldflächen umknicken und für die nächsten Tage praktisch alle Wege unpassierbar machen.

1990 bleibt als Jahr der Orkane in Erinnerung, denn vor "Wiebke" hatten schon "Daria", "Herta" und besonders "Vivian" gewütet. Letzterer Orkan führte zur Absage zahlreicher Karnevalsumzüge, so etwas vergessen Rheinländer und Eifler nicht so schnell.
Danach wurde es in der Eifel erst einmal ruhiger – obwohl mit Verena (1993), Lore (1994) und Xylia (1998) weitere schwere Winterstürme folgten.

Irgendwie ist es trotzdem noch "die gute alte Zeit":
Wetterberichte kommen ohne ständigen Verweis auf den Klimawandel aus, und alle Stürme tragen weibliche Vornamen...
Erst 1999 wird diese jahrzehntelange Praxis mit "Lothar" durchbrochen. Die Verwüstungen bleiben unabhängig vom Vornamen.

2003: Ein Bischof packt an

Die Orkane der 1990er Jahre hinterlassen auch am Wackerberg ihre Spuren. Schwere Forstmaschinen kämpfen sich durch die Wälder, und die Wege sehen danach aus wie ein Übungsgelände der Bundeswehr-Pioniere.
Kall und Schleiden schicken Mitarbeiter ihrer Bauhöfe, um die Schäden zu beseitigen. Nur die letzten 200 Meter zum Waldquartier bleiben unangetastet, denn dieser Abschnitt gehört als Wirtschaftsweg der katholischen Kirchengemeinde Olef.

Bischof

Ein Container Rollsplit, eine Rüttelplatte und zwei halbwegs motivierte Helfer hätten genügt, um die Schlaglöcher an einem Nachmittag verschwinden zu lassen.
Der Kirchenvorstand erscheint zum Ortstermin, zeigt Verständnis, verspricht Abhilfe und macht einen großen Fehler:
Einen kirchlichen Wirtschaftsweg auszubessern, das geht wohl nicht ohne den erforderlichen Segen von oben, in diesem Fall vom Aachener Bischof.
Heinrich Mussinghoff reagiert jedoch nicht, seine Gründe bleiben im Dunkeln. Mangelndes Interesse, zuviel Stress bei der Aufarbeitung der eigenen Missbrauchsskandale - wer weiß?

Währenddessen entwickelt sich der Zufahrtsweg zum Hindernisparcours. Die Post stellt die Zustellung zeitweise ein, Besucher verabschiedeten sich mit beschädigten Auspuffanlagen
Doch wir leben in einem Rechtsstaat. Nach zwei Gerichtsinstanzen findet das Landgericht Aachen schließlich eine Lösung: Die Kirche liefert künftig alle zwei Jahre den erforderlichen Split, und die Bewohner dürfen die Reparaturen selbst ausführen.
Warum nicht gleich so?

2005: Nationalpark Eifel

Ein großer persönlicher Triumph wäre für Wilhelm von Ameln die Aufgabe des Truppenübungsplatzes Vogelsang und seine anschließende Umwandlung zum ersten Nationalpark für Nordrhein-Westfalen in den Jahren 2005/2006 gewesen.

Nationalpark-Schild

Auf einer Fläche von 110 qkm sind jetzt ausgedehnte Wälder und Offenlandschaften auf dem Weg zurück zur Wildnis. Der Nationalpark verzeichnet bis zu 1 Million Gäste im Jahr und hat sich in kurzer Zeit zu der Top-Destination der Nordeifel entwickelt. Ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm inkl. Ranger-Touren und zwei multimedialen Dauerausstellungen (u.a. über die historische Bedeutung der "NS-Ordensburg Vogelsang") rundet das Angebot ab.

Vom Wackerberg aus gesehen beginnt der Nationalpark direkt jenseits des Urfttals, nur wenige km Luftlinie entfernt; mit dem PKW erreichen Gäste das Besucherzentrum IP Vogelsang in knapp 20 min.

2006: Alles muss raus

Heizungstausch

Der Ölpreis explodiert – weltweit steigt die Nachfrage, der Irakkrieg verunsichert die Märkte und Hurrikan Katrina legt Teile der amerikanischen Ölindustrie lahm.
Auf dem Wackerberg werden die Konsequenzen gezogen: Der alte Ölbrenner fliegt raus. Stattdessen werden jetzt Holz-Pellets verbrannt, Solarthermie kommt aufs Dach – und kein Öllaster muss mehr durch den Wald.

Eine frühe private Energiewende? Irgendwie schon, aber nicht um das Weltklima zu retten, sondern das eigene Portemonnaie zu schonen.

2008: Der Ausbruch

Vulkan

Von Juli bis Oktober 2008 wird die Eifel zum Katastrophen-Filmset. Bad Münstereifel verwandelt sich in das vom Vulkan bedrohte „Lorchheim“, auch in Nettersheim, Mendig und am Pulvermaar wird gedreht.
Nur der Wackerberg bleibt außen vor – Vulkanasche auf dem Haus kommt nicht infrage. Drehen darf hier erst 10 Jahre später der WDR.

Mit rund neun Millionen Euro ist "Vulkan" die bis dato teuerste RTL-Eigenproduktion. Die deutschen Schauspieler sind alle erste Liga: Heiner Lauterbach, Katharina Wackernagel, Armin Rohde, Christian Redl, Katja Riemann, Yvonne Catterfeld.

Ganz aus der Luft gegriffen ist die Geschichte allerdings nicht, die Eifel ist vulkanisch weiterhin aktiv.
Vor rund 13.000 Jahren explodierte der Vulkan am heutigen Laacher See mit gewaltiger Kraft und schleuderte Asche und Bims weit über die Region hinaus. Der heutige See liegt in der dabei entstandenen Caldera.
Geologisch betrachtet kann der RTL-Film deshalb als eine sehr freie Vorschau durchgehen. Nur beim Sendetermin war man vermutlich einige tausend Jahre zu früh.

2009: Wackerberg – ein Berg, fünf Wanderwege

Eifelsteig

Wenn es einen Wettbewerb für den Ort mit den meisten ausgezeichneten Wanderwegen gäbe, wäre der Wackerberg kaum zu schlagen. Gleich fünf markierte Routen führen über den Berg oder durch seine unmittelbare Umgebung und werden von Wegepaten des Eifelvereins betreut.

Der Prominenteste ist der Eifelsteig. Der 2009 eröffnete Fernwanderweg verbindet auf 313 Kilometern Aachen mit Trier, durchquert das Hohe Venn, den Nationalpark und die Vulkaneifel – und führt auf seiner 5. Etappe auch über den Wackerberg. Er gehört zu den „Top Trails of Germany“ und erhält regelmäßig das Deutsche Wandersiegel als Premium-Wanderweg.

2019 kommen mit der Neuordnung des regionalen Wanderwegenetzes zwei kürzere Routen hinzu: die EifelSpur „Pingenwanderweg“, die an die jahrhundertealte Bergbaugeschichte rund um Kall und den Wackerberg erinnert, und die EifelSchleife „Kaller Sagen“, die Natur und örtliche Legenden miteinander verbindet.
Letztere macht 2026 besonders von sich reden: Die nur 7,3 Kilometer langen „Kaller Sagen“ werden zum beliebtesten Wanderweg der Nordeifel und „Wanderweg des Jahres 2026“ gewählt.
Im gleichen Jahr werden die EifelSchleifen „Wackerberg“ und „Über den Kreuzberg“ neu eröffnet.

2010: Windkraft im Wald?

Stopp Windkraft Mit Unterstützung der Grünen im Kaller Gemeinderat plant Bürgermeister Herbert Radermacher die Ausweisung einer "Windkraftkonzentrationszone" - nur ein paar hundert Meter südwestlich vom Haus Wackerberg.
Es war ihm offenbar entgangen, dass das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV NRW) eine ganze Reihe von erhaltenswerten Biotopen auf dem Wackerberg bestimmt hat.
Auf der Karte der unzerschnittenen verkehrs-armen Räume (UZVR) ist er in der dritthöchsten Größenklasse (10 - 50 qkm) eingetragen; geschützte Tierarten wie die Bechstein-Fledermaus und der Rotmilan werden hier immer wieder gesichtet.

Damit steigt das Risiko eines negativen Umweltverträglichkeits-Gutachtens für potentielle Investoren, der Vorstoß scheitert.
Aber die Grünen geben nicht auf – Natur- und Landschaftsschutz spielen für sie schon lange keine Rolle mehr, die "Energiewende" ist zum Markenkern der Partei geworden.
Werden sie beim nächsten Anlauf mehr Erfolg haben?

2018: Dreharbeiten »Allmacht Amazon«

An einem Tag in einer nicht allzu fernen Zukunft: Eine Drohne kreist über dem Wackerberg. Direkt vor der Haustür setzt sie ein Paket ab – eine Amazon-Sendung für Julia. Die junge Frau bringt das Paket, das sie nicht bestellt hat in die Wohnung, öffnet es und findet darin Baby-Utensilien. Ja, Julia ist schwanger. Und Amazon wusste es - vor ihr!

Allmacht Amazon

Mit dieser Fiktion starten die WDR-Autoren Martin Herzog und Marko Rösseler ihre Dokumentation über den Online-Händler Amazon, der weltweit mehr als 300 Millionen Menschen gleichzeitig beobachten, vergleichen und analysieren kann und seinen Gründer Jeff Bezos zeitweise zum reichsten Mann der Welt gemacht hat.

Der Film wird 2018 gedreht, knapp fünf Jahre vor dem Beginn des Hypes um die Künstliche Intelligenz (KI). Die Autoren haben also Weitsicht bewiesen – mit einer Ausnahme: Die Amazon-Sendungen werden heute mmer noch mit den klassischen Paketdiensten auf den Wackerberg geliefert und nicht per Drohne.
Eigentlich schade!

2020: Highspeed Internet

Glasfaser Rund 30 Millionen Euro haben sie in die Hand genommen - der Bund, das Land Nordrhein-Westfalen und der Kreis Euskirchen - um schnelles Internet per Glasfaser auch in die entlegensten Teile der Eifel zu bringen, bis hinauf auf den Wackerberg. Die Deutsche Telekom war im Rahmen eines Ausschreibungsverfahrens Ende 2018 ausgewählt worden, rund 519 Kilometer Glasfaserkabel zu verlegen.

Obwohl Ende Januar 2020 die notwendigen Anschlüsse im Haus Wackerberg installiert sind, dauert es noch einmal neun Monate, bis der Breitband-Betrieb (bis 1 Gbit/s) im Oktober tatsächlich aufgeschaltet wird. Massive Beschwerden lässt die Telekom ins Leere laufen, eine geplante Pressekonferenz mit dem NRW-Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie, Prof. Andreas Pinkwart, zur GigaBit-Initiative des Landes muss abgesagt werden.
Erst eine ganzseitige Veröffentlichung im Kölner Stadtanzeiger und in der Kölnischen Rundschau (Serie "Ärgernis") bringt den notwendigen Schwung in die Konzern-Bürokratie, plötzlich geht alles ganz schnell…

Deutlich reibungsloser verläuft im selben Jahr Montage und Anschluss einer 10kW-Photovoltaik-Anlage, die inzwischen einen erheblichen Teil der Stromversorgung von Haus Wackerberg sicherstellt.

2020-23: Corona

Corona-Virus Die Eifel hat in ihrer Geschichte einiges überstanden: Pest, Pocken, Cholera, Kriege und Hungersnöte. 2020 kommt Corona.
Geschäfte und Gaststätten schließen, Veranstaltungen fallen aus, Abstandhalten und Masken bestimmen plötzlich den Alltag. Selbst auf einsamen Waldwegen begegnet man gelegentlich Wanderern oder Radfahrern mit Mund-Nasen-Schutz – obwohl weit und breit kein anderer Mensch zu sehen ist und dies dort gar nicht vorgeschrieben ist.

Besonders kurios wird es für die Tourismusregion Eifel. Zeitweise sind touristische Übernachtungen verboten, beruflich notwendige dagegen erlaubt. Ein Monteur darf also im Ferienhaus schlafen, ein Wanderer nicht. Für Gastgeber bedeutet das: dieselben Betten, dieselben Zimmer – aber unterschiedliche Virengefahr je nach Reisegrund.

Ständig wechselnde Regeln, Inzidenzstufen, Tests und Nachweise sorgen für zusätzliche Verwirrung. Der Tourismus bricht dramatisch ein: Im Kreis Euskirchen sinken die Übernachtungen 2020 gegenüber dem Vorjahr um rund 41 Prozent.

2021: Die große Flut

Extreme Regenfälle lassen in der Nacht zum 15. Juli Bäche und Flüsse (nicht nur) in der Nordeifel über die Ufer treten. Allein in Kall und im Schleidener Tal sterben 11 Menschen, im Ahrtal sind es sogar 135 Opfer.
Die Schäden an der öffentlichen Infrastruktur erreichen gewaltige Dimensionen: Für Kall und Schleiden werden später rund 337 Millionen Euro Wiederaufbauhilfen bewilligt.

Flut in Gemünd

Auch der Wackerberg wird zum Schauplatz der Katastrophe. Mehr als 160 Liter Regen pro Quadratmeter fallen innerhalb von 48 Stunden. Kleine Rinnsale werden zu reißenden Bächen, Wasser, Schlamm und Geröll schießen die Hänge hinab.
Ein Waldweg wird stellenweise rund 1,70 Meter tief ausgespült.
Die Flut zeigt eindringlich, welche Bedeutung die bewaldeten Höhen für den Wasserhaushalt besitzen: Was oben auf dem Wackerberg mit dem Wasser geschieht, kann unten im Tal entscheidend sein.

2026: Die Eifel brennt

Nach wochenlanger Trockenheit brechen Mitte August schwere Wald- und Moorbrände aus. Im Hürtgenwald stehen rund 300 Hektar Wald in Flammen, im Hohen Venn verbrennen etwa 3.000 Hektar der einzigartigen Moor- und Heidelandschaft.
Rauchwolken ziehen bis ins Ruhrgebiet, Ortschaften werden evakuiert, Löschflugzeuge und Hubschrauber kämpfen tagelang gegen das Feuer.

Eifelfeuer

Im Hürtgenwald kommt eine fast vergessene Gefahr hinzu: Munition aus dem Zweiten Weltkrieg. Granaten und andere Kampfmittel explodieren in der Hitze; Feuerwehrleute dürfen weite Teile des Waldes nicht betreten.

Tagelang blickt ganz Deutschland auf die Region. Die brennende Eifel wird zum Aufmacher großer Nachrichtensendungen – ein Maß an bundesweiter Aufmerksamkeit, das die Landschaft sonst nur selten erfährt.
Die Ereignisse erinnern an den extremen Dürresommer 1947: Schon damals wüten gewaltige Waldbrände in der Region und - nur zwei Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs - erschweren Explosionen von Kriegsmunition die Löscharbeiten.
Der Wackerberg ist in beiden Fällen nicht direkt betroffen, und es kommen - anders als bei der Flutkatastrophe - keine Menschen ums Leben.

Quellen: F.A. Heinen, Schleiden; Hubert Püth, Kall; Wikipedia